Ein freiwilliges, kostenloses Vor-Kindergartenjahr

10. April 2012

Das Lernen und das Werden des Kindes entwickeln sich im Wechselspiel zwischen Veranlagung und sozialem Umfeld. Besonders interessiert sind Kinder an anderen Kindern. Sei das in der Wohnsiedlung, auf dem Spielplatz, am Familienfest oder in der Kindertagesstätte: Kinder sind die wichtigsten Spiel-, Lern- und Entwicklungspartner für Kinder. Das soziale Lernen beginnt ab Geburt. Ab dem 3. Lebensjahr rückt das Zusammensein mit anderen Kindern ins Zentrum des kindlichen Interessens.
Viele Eltern ermöglichen ihren Kindern deshalb den Besuch einer Kindertagesstätte oder einer zeitlich etwas umfassenderen Spielgruppe. Wichtig sind dabei Regelmässigkeit und eine gewisse Mindestanwesenheitszeit. Denn diese sind Voraussetzung dafür, dass Kinder Beziehungen aufbauen können und ihren Platz finden.
Der Besuch dieser Angebote ist für Familien mit mittleren und tiefen Einkommen teuer. Das führt dazu, dass diese Einrichtungen zunehmend von Kindern besucht werden, deren Eltern über eine hohes Bildungsbewusstsein und genügend finanzielle Mittel verfügen, wie eine Analyse der Schweizerischen Arbeitskräfteerhebung aus dem Jahre 2008 zeigt.
So sehr es diesen Kindern zu gönnen ist, ist eine solche Entwicklung aus Sicht der Chancengleichheit fatal. Statt sie zu stärken, werden die Unterschiede zwischen Kindern aus privilegiertem sozialen Umfeld und der grossen Mehrheit der anderen Kinder noch grösser.
Um hier Gegensteuer zu geben, sollen die Kantone verpflichtet werden, ein zusätzliches freiwilliges, aber kostenloses Angebot zu schaffen. Das fordere ich mit einer parlamentarischen Initiative, die ich Anfang Mai deponieren werde.
Die Kantone sollen bei der Umsetzung grosse Freiheiten haben. Die Bedürfnisse vor Ort sollen darüber entscheiden, ob sie das zusätzliche Jahr als “Vor-Kindergarten” oder als letztes Jahr bei den Krippen und Kindertagesstätten anbieten. Wichtig ist, dass die Übergänge so gestaltet werden, dass sie auf die individuelle Entwicklung der Kinder Rücksicht nehmen.

Gespeichert unter: Allerlei,Familien unterstützen

1 Kommentar Kommentar hinzufügen

  • 1. Silke Gerner  |  23. April 2012 um 23:42

    Wir teilen die Meinung, alle Kinder sollen die Möglichkeit haben, mehrmals eine oder mehrere Spielgruppen (Raum oder Wald) zu besuchen. (Grundangebote von Spielgruppen). Dies soll vom Land unterstützt werden, sodass auch die Familien, wessen Mutter/Vater sich für den Beruf Hausfrau/Mutter/Vater entschieden hat, begünstigt und entlastet werden. Zu viel wird immer von Vereinbarkeit zwischen Familie und Beruf geschrieben und politisiert. Es sollen alle Bereiche dieselben Rechte und Pflichten erhalten. Gerne sind wir für weitere Gespräche bereit.
    Präsidentin S. Gerner
    SPGV-FL
    Spielgruppenverein FL

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